Verwaltungsrecht – Unzulässige Straßenplanung im faktischen Vogelschutzgebiet nicht durch nachträgliche Gebietsmeldung „geheilt“

Ein Be­bau­ungs­plan für eine Orts­um­ge­hungs­stra­ße, der die Stra­ßen­tras­se in einem fak­ti­schen Vo­gel­schutz­ge­biet fest­setzt und damit gegen das Be­ein­träch­ti­gungs­ver­bot der eu­ro­päi­schen Vo­gel­schutz­richt­li­nie (V-RL) ver­stößt, wird nicht da­durch nach­träg­lich „ge­heilt“, dass das Land nach Ab­schluss der Pla­nung ein Vo­gel­schutz­ge­biet an die EU-Kom­mis­si­on mel­det, das an die Stra­ßen­tras­se her­an­reicht, diese aber nicht in das Schutz­ge­biet ein­be­zieht. Fak­ti­sche Vo­gel­schutz­ge­bie­te um­fas­sen Le­bens­räu­me und Ha­bi­ta­te, die für sich be­trach­tet in si­gni­fi­kan­ter Weise zur Art­er­hal­tung in dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat bei­tra­gen und damit zum Kreis der im Sinne des Art. 4 der V-RL „ge­eig­nets­ten“ und als Schutz­ge­bie­te aus­zu­wei­sen­den Ge­bie­te ge­hö­ren. Bei der Ab­gren­zung fak­ti­scher Vo­gel­schutz­ge­bie­te sind die sog. IBA-Ver­zeich­nis­se (Im­portant Bird Areas/Be­deu­ten­de Vo­gel­schutz­ge­bie­te) ein be­deut­sa­mes Er­kennt­nis­mit­tel. Ihre In­dizwir­kung kann nur ent­kräf­tet wer­den, wenn der Mit­glied­staat wis­sen­schaft­li­che Be­wei­se dafür vor­legt, dass die Ver­pflich­tun­gen aus der V-RL durch an­de­re als die in die­sem Ver­zeich­nis auf­ge­führ­ten Ge­bie­te er­füllt wer­den kön­nen. Mit der Nach­mel­dung eines Ge­biets, des­sen Ab­gren­zung be­reits dann nicht zu be­an­stan­den ist, wenn sie fach­wis­sen­schaft­lich „ver­tret­bar“ ist, ist die­ser Ge­gen­be­weis nicht er­bracht.

BVerwG, Ur­t. v. 27.03.2014 – 4 CN 3.13